Update 2026 – Barrierefreiheit: Neuer Kontrastmodus und Umsetzung nach BITV
Als öffentlich geförderte Kultureinrichtung hat das Kunstmuseum Stuttgart den Anspruch, seine digitalen Angebote möglichst vielen Besucher:innen zugänglich zu machen – unabhängig von Sehstärke oder technischen Hilfsmitteln. Grundlage für das Update 2026 war ein umfassender BITV-Test, der im Vorfeld extern durchgeführt wurde: Website und Sammlung Online wurden nach den Kriterien der BITV 2.0 geprüft, die konkreten Prüfergebnisse bildeten die Basis für die anschließende Optimierung.
Maßnahmen:
Um das Corporate Design des Kunstmuseums zu erhalten und dennoch alle BITV-Anforderungen zu erfüllen, haben wir in Absprache mit dem Kunstmuseum und den BITV-Testern einen separaten, manuell umschaltbaren Kontrastmodus umgesetzt – auf der Museumswebsite und in Sammlung Online. Besucher:innen können per Klick zwischen der gewohnten Standarddarstellung und einer kontraststarken Ansicht wechseln.
- Durchgängige Tastaturbedienung für alle interaktiven Elemente auf beiden Plattformen, von der Ausstellungsnavigation bis zur Suche in den 15.000 Kunstwerksdatensätzen.
- Screenreader-Optimierung durch saubere semantische Struktur, ARIA-Labels und eine klare Fokusreihenfolge, auch für die umfangreichen Metadaten in Sammlung Online.
- Skalierbare Schriftgrößen, die sich ohne Layout-Brüche an die Bedürfnisse der Nutzer:innen anpassen.
- Barrierefreie Umsetzung aller Formulare: klare Beschriftungen, verständliche Fehlermeldungen und gezielte Hinweise zur Fehlervermeidung, damit auch Kontaktanfragen und Eingaben in Sammlung Online ohne Barrieren möglich sind.
Ergebnis:
Website und Sammlung Online erfüllen die im BITV-Test identifizierten Anforderungen. Besonders der Kontrastmodus kommt Besucher:innen mit Sehbeeinträchtigung oder erhöhter Kontrastempfindlichkeit direkt zugute und unterstreicht den Anspruch des Museums, Kunst einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen – digital wie vor Ort, ohne dass die übrigen Besucher:innen auf das gewohnte Erscheinungsbild verzichten müssen.
Ausgangslage
Das Kunstmuseum Stuttgart wollte mehr als einen Website-Relaunch: Website, Sammlung Online und Mediaguide für Besucher vor Ort sollten aus einer einzigen Plattform heraus bespielt werden, statt wie bisher in getrennten Systemen mit doppelter Pflege. Das Konzept dazu entwickelte die Stuttgarter Agentur Klangerfinder gemeinsam mit dem Museum; Sinnoptics übernahm die komplette technische Realisierung – vom Datenmodell bis zum responsiven Frontend.
Eine Plattform, drei Kanäle
Jeder der drei Kanäle brauchte dieselben Inhalte in unterschiedlicher Form: Auf der Website stehen Ausstellungen und Veranstaltungen im Vordergrund, in der Sammlung Online die einzelnen Kunstwerke mit all ihren Metadaten, im Mediaguide kuratierte Touren für den Rundgang vor Ort. Diese Kanäle unabhängig voneinander zu pflegen, hätte bedeutet, jede Änderung dreimal einzupflegen. Die Lösung: ein zentrales System, das Inhalte einmal verwaltet und je nach Kanal automatisch passend ausspielt.
- Die Museumswebsite bündelt alle zentralen Informationen für Besucher: aktuelle und kommende Ausstellungen, den Veranstaltungskalender, Führungen im Rahmen der Kunstvermittlung sowie die Eigendarstellung des Museums und allgemeine Besucherinformationen. Alle Inhalte werden im Content-Management-System angelegt und redaktionell betreut.
- Der eigene Bereich Sammlung Online synchronisiert sich mit der Branchensoftware MuseumPlus und bietet Zugriff auf die umfangreiche Museums-Sammlung – inklusive Artdating und digitalen Räumen.
- Der verknüpfte Mediaguide stellt Besuchern Informationen und Touren zu Sammlung und Ausstellungen direkt auf dem Smartphone zur Verfügung.
15.000 Kunstwerke, ein Zugang
Die größte fachliche Herausforderung war die Anbindung an MuseumPlus, die Branchensoftware, in der das Museum seine gesamte Sammlung verwaltet. 15.000 Kunstwerksdatensätze mussten zuverlässig synchronisiert, über eine eigene ElasticSearch-Instanz durchsuchbar gemacht und über eine Rechtematrix kanalspezifisch freigegeben werden – dazu Mehrsprachigkeit (Deutsch/Englisch), Barrierefreiheit und ein bildrechtekonformer Umgang mit den Werkabbildungen nach den Vorgaben der VG Bild-Kunst.
Was wir umgesetzt haben
- Zentraler Medienserver (ZMS) auf Drupal-Basis – eine Quelle, drei Ausgabekanäle
- Anbindung an MuseumPlus – 15.000 Kunstwerksdatensätze synchron und durchsuchbar über ElasticSearch
- Rechtematrix – kanalspezifische Freigaben statt manueller Mehrfachpflege
- Museumswebsite – teilweise zweisprachig (DE/EN), über 50 Komponenten, Ausstellungsarchiv, Veranstaltungskalender, Pressebereich
- Sammlung Online – Kunstwerk- und Künstler:innen-Seiten, „Digitale Räume" für kuratierte Zusammenstellungen, Favoritenfunktion
- Mediaguide – automatische Anbindung an die iOS- und Android-App per JSON:API (App-Entwicklung: Klangerfinder)
- Barrierearm, responsiv, bildrechtekonform (VG Bild-Kunst) und DSGVO-konform per Matomo-Tracking
Das Ergebnis
Das Kunstmuseum Stuttgart pflegt heute Website, Sammlung Online und Mediaguide aus einem einzigen Redaktionssystem. Ein Kunstwerk wird einmal angelegt und erscheint automatisch auf allen drei Kanälen – ohne Datendopplung und ohne Mehrfachpflege durch das Redaktionsteam. Das System ist modular angelegt und lässt sich um neue Inhalte und Kanäle erweitern, ohne die bestehende Struktur anzutasten. Seit dem Launch 2022 begleiten wir das Museum laufend bei der Weiterentwicklung der Plattform – zuletzt honoriert mit einer Nominierung für die Splash Awards 2024.
„Wir sind überzeugt davon, dass die Begegnung mit Kunst Menschen und ihren Blick auf die Welt verändern kann. Dafür möchten wir Impulse geben und so den öffentlichen Diskurs anregen und mitgestalten.
Sinnoptics unterstützt uns konsequent dabei, diesen Anspruch auch auf unseren digitalen Plattformen zu realisieren.“
Dean Verebes
Projektmanagement Digital - Kunstmuseum Stuttgart
Die technische Umsetzung: Das Drupal-System
als "Zentraler Medienserver"
Der ZMS ist das Herzstück des Systems: ein Drupal-Backend, das alle Daten an einer Stelle verwaltet und von dort auf die drei Kanäle verteilt. Drei Datenquellen laufen hier zusammen: die redaktionellen Inhalte (Ausstellungen, Veranstaltungen, Presse), die Kunstwerksdaten aus MuseumPlus und die Rechte- und Freigabeinformationen, die festlegen, welcher Inhalt auf welchem Kanal erscheinen darf. Redakteur:innen legen jeden Inhalt nur einmal an; der ZMS entscheidet automatisch, wo er ausgespielt wird.
Für die Volltextsuche über alle 15.000 Kunstwerke setzt der ZMS eine eigene ElasticSearch-Instanz ein, die parallel zum Drupal-System läuft und bei jeder Änderung automatisch aktualisiert wird. Schaubild: Der Datensatz eines Kunstwerks vom Import aus MuseumPlus bis zur Ausgabe in den drei Kanälen.
Unten: Website, Sammlung Online und Mediaguide greifen auf dieselbe Datenbasis zu, verfolgen aber unterschiedliche Zwecke.